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Reiki im Wochenbett: Wenn auch die Mutter gehalten werden darf

29. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Okt.


Wenn ein Baby zur Welt kommt, sind plötzlich viele Arme und Hände da. Die Hebamme, die es wiegt. Die Großeltern, die es behutsam übernehmen. Die Freundin, die sagt: „Gib her, ruh dich aus." Alle wollen dieses Kind halten – und das ist wunderschön und genau richtig so.

Doch da sitzt auch die Frau, die es gerade geboren hat. Sie sitzt daneben auf dem Sofa, mit einem Körper, der sich fremd anfühlt, einem Kopf voller Fragen und Hormonen, die Samba tanzen. Und vielleicht wünscht sie sich gerade jetzt genau dasselbe: gehalten zu werden.

Das Wochenbett wird gern als Kuschelzeit beschrieben, und oft ist es das auch. Gleichzeitig ist es aber auch eine Zeit, in der eine Frau stundenlang allein sein kann – mit sich, ihren Gedanken und einem Neugeborenen –, während draußen der Alltag der anderen einfach weiterläuft. Die Hormone sortieren sich neu, die Nächte zerfallen in Stücke, die Gefühle wechseln schneller, als man sie benennen kann. Überwältigende Nähe und blanke Überforderung liegen oft nur Minuten auseinander. Wer das nie erlebt hat, kann kaum verstehen, wie einsam ein Zimmer sein kann, in dem zwei Menschen liegen – und wie es zugleich das größte Glück ist.


Ich weiß das, weil ich es zweimal erlebt habe.


Zwei Wochenbetten

Mein erstes Wochenbett habe ich vor allem durchgestanden. Auf die Geburt hatte ich mich vorbereitet, gründlich sogar – auf die Wochen danach kaum. Ich wusste nicht, was ich brauchen würde, und hätte es vermutlich auch nicht sagen können. Ich war nie allein und fühlte mich doch so: mit drölfmillionen Gefühlen und Gedanken, aufgeputscht und übermüdet zugleich. Alles rollte irgendwie über mich hinweg.

Vor meinem zweiten Kind habe ich es anders gemacht. Schon in der Schwangerschaft habe ich mich gefragt: Wer wird nach der Geburt für mich da sein? Wer kocht, wer hält Besuch fern, wem kann ich sagen, dass es mir zu viel wird? Und ich habe mir etwas vorgenommen, das mir beim ersten Mal nie in den Sinn gekommen wäre: feste Termine nur für mich. Zeit, in der Kopf und Körper all den sich überschlagenden Ereignissen hinterherkommen dürfen. Zeit für Fürsorge, Regeneration und Entspannung. Ich habe in der Schwangerschaft Jikiden Reiki gelernt und mir im Wochenbett täglich selbst Reiki gegeben – und regelmäßig Reiki bekommen.


Was ich in diesen Stunden erlebt habe, gehört zum Intensivsten, was ich kenne. Ich lag da, das Baby schlief neben mir oder wurde zwischendurch gestillt – und zum ersten Mal seit der Geburt, abgesehen von den Besuchen der Hebamme, war jemand ausschließlich für mich da. Ich konnte loslassen und in mich hineinspüren. Ausatmen. Mein Nervensystem herunterfahren. Regenerieren. Ich habe eine Ruhe gespürt, eine Geborgenheit und Verbundenheit, für die ich lange keine Worte hatte. Es war, als würde ich selbst so gewiegt und gehalten wie mein eigenes Baby.

Diese Erfahrung ist meine. Ich erzähle sie nicht, weil sie sich bei jeder Frau genauso wiederholt, Reiki kann sehr indidviduell wahrgenommen werden, sondern weil sie mir gezeigt hat, was ich beim ersten Mal übersehen hatte: Eine Mutter darf genauso gut für sich sorgen, wie sie es für ihr Baby tut. Zeit für sich selbst sollte nicht auf die fünf Minuten beschränkt bleiben, in denen alle anderen versorgt sind. Sie darf ein fester Teil des Wochenbetts sein. Genau deshalb feiere ich alle Anbietenden auf Wochenbett24, die sich der Fürsorge von Müttern verschrieben haben.


Was bei Reiki passiert

Jikiden Reiki ist eine traditionelle japanische Methode, bei der die Hände sanft auf den bekleideten Körper gelegt werden – an verschiedenen Positionen, in Ruhe und ohne Eile. Mehr braucht es nicht. Du musst nicht meditieren, nicht reden, an nichts Bestimmtes denken und auch nichts Besonderes spüren. Manche Frauen nehmen Wärme wahr oder eine angenehme Schwere, andere merken vor allem, wie tief sie entspannen können, wieder andere schlafen einfach ein. All das darf sein. Vorkenntnisse brauchst du keine.

Im Wochenbett kommt Reiki idealerweise zu dir nach Hause. Du musst dich nicht anziehen, keine Tasche packen, nirgendwohin fahren und dein Baby nicht wegorganisieren. Es darf einfach dabei sein – im Bett neben dir, auf deinem Bauch, an der Brust. Und wenn dein Kind dich braucht, wird die Anwendung unterbrochen. Genau das macht Reiki für diese Zeit so passend: Es fügt sich in deinen Wochenbett-Alltag ein, statt ihn zu unterbrechen. Natürlich kannst du auch in eine Reiki-Praxis kommen und dir für diese Stunde einen Babysitter organisieren – das hat noch einmal einen anderen Entspannungscharakter. Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt erleben meine Kund:innen die Anwendung mitten im eigenen Zuhause aber als besonders wohltuend und unterstützend.

Reiki ist keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Es ersetzt weder deine Hebamme noch die ärztliche Nachsorge – es kann deine Wochenbett-Unterstützung aber sinnvoll ergänzen.



Über die Autorin

Carina Schmitz ist Jikiden Reiki Practitioner und Shihan Kaku, zertifizierte Health Coachin und Mutter von zwei Kleinkindern. In Hamburg begleitet sie Frauen rund um Schwangerschaft und Wochenbett – mit dem Schwerpunkt auf Selbstfürsorge, Körperwahrnehmung und einer achtsamen Reiki-Praxis ohne Heilversprechen. Hier kommst du zu Carinas Profil.


 
 
 

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